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Mehrheitswahl ArtikelMehrheitswahl (siehe Wahlsysteme) heißt, dass aus jedem Wahlkreis ca. derjenige Kandidatins Parlament einzieht, der die Mehrheit an Stimmen auf sich vereinigen konnte. Alle anderen Stimmen verfallen ("The winner takes it all").
Man unterscheidet relatives und absolutes Mehrheitswahlrecht. Beim relativen Mehrheitswahlrecht gewinnt die Person, die in dem ersten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereint. Beim absoluten Mehrheitswahlrecht muss eine Person zu dem Sieg mindestens die Hälfte aller Stimmen auf sich vereinigen. Gelingt es in dem ersten Wahlgang niemandem die Hälfte der Bevölkerung hinter sich zu bringen gibt es einen zweiten Wahlgang.
Dies führt laut dem umstrittenen Medianwähler-Modell zur Konkurrenz um den "mittleren" Wähler und somit eine Ausrichtung der Programme an der "politischen Mitte" (siehe auch Beitrag unter Politisches Spektrum).
Angewandt wird dieses System vor allem in dem anglophonen Raum, unter anderem
In Deutschland gilt als Bundestagswahlrecht ein personalisiertes Verhältniswahlrecht: Zwar werden in den Wahlkreisen auch Direktkandidaten nachdem relativen Mehrheitswahlrecht gewählt (die Hälfte der Bundestagssitze), aber die Verteilung der Sitze in dem Bundestag richtet sich nachdem Anteil der Zweitstimmen, die eine Partei bekommt. Die über die direkt gewonnenen Sitze hinaus einer Partei zustehenden Mandate werden mit Listenkandidaten besetzt. Ca. wenn eine Partei mehr Direktmandate erhält, als ihr nachdem Zweitstimmenergebnis zuständen, behält die diese Überhangmandate.
Buch-Tipp: Armut und Reichtum heute. Eine Gegenwartsanalyse (Edition Ost) (Edition Ost) Anspruchsvoll Dieser Text erscheint in der Edition Ost. Das heißt, der Inhalt ist auf ein ostdeutsches Publikum zugeschnitten. Er kommt daher nicht allzu aalglatt rüber wie bei Westbüchern. Dafür wird nicht an klaren Aussagen gespart. Frau Wagenknecht etwa schlägt eine Erbschaftssteuer von 100 % vor. Herr Butterwege meint, kriminelle... Vor- und Nachteile des Mehrheitswahlrechts | |
Das Mehrheitswahlrecht tendiert typischerweise zu einem Zweiparteiensystem (Duvergers Gesetz); die folgenden Vor- und Nachteile gehen darum von einem Zweiparteiesystem aus.
Koalitionen sind daher zu dem Erreichen einer Mehrheit in der Regel nicht erforderlich; die Vor- und Nachteile von Koalitionen gehen ebenfalls mit ein.
Vorteile des Mehrheitswahlrechts:
- eindeutige Mehrheitsverhältnisse in dem Parlament führen zu:
- für die Wähler voraussehbarer Regierungsbildung
- einfache Regierungsbildung; stabile, starke Regierungen
- eine Parteienzersplitterung ist sehr unwahrscheinlich, da Kandidaten kleiner Parteien ca. selten genügend Stimmen erhalten, um einen Wahlkreis zu gewinnen.
- Extreme Parteien haben ca. kleine Chancen da die Wähler in der Mitte die Wahl entscheiden
- Zudem ist eine Personenwahl in den Wahlkreisen möglich; die Wähler haben die Möglichkeit, Kandidaten ihres Wahlkreises persönlich kennenzulernen und aufgrund ihrer Persönlichkeit zu wählen.
- Die Abgeordneten sind von ihrer Partei weniger abhängig, da sie direkt gewählt werden
Nachteile des Mehrheitswahlrechts:
- Kleinparteien und neue Parteien haben wenig Chancen, Mandate zu erringen, wenn sie nicht regional dominierende Minderheiten vertreten. Statt dessen schwächen sie eher den eigenen politischen Flügel durch Zersplitterung der Wahlstimmen. Kritiker bemängeln zudem, dass gesellschaftliche Minderheiten nicht ausreichend vertreten werden.
- ungerecht: Die Stimmen für Kandidaten kleinerer Parteien werden häufig zu "Papierkorbstimmen", da sie ohne Konsequenz für die Zusammensetzung des Parlaments bleiben.
- Es kann zu Wahlergebnissen kommen, bei denen der Wahlverlierer effektiv mehr Stimmen auf sich vereinigen konnte als der Gewinner. Dies ist möglich, wenn der Wahlsieger in bevölkerungsreichen Wahlbezirken knappere Ergebnisse erzielt und daher die Summierung der abgegebenen Stimmen ein anderes Bild ergibt, als die Auszählung nach geltendem Wahlrecht.
- Es ist möglich, das Wahlergebnis durch "geschicktes" Ziehen der Wahlkreisgrenzen zu beeinflussen ("Gerrymandering", "Wahlkreisgeometrie").
- In manchen Wahlkreisen kann eine Lethargie entstehen, da die Bevölkerung annimmt, dass sowieso stets die gleiche Partei gewinnt
Beide Phänomene haben sich bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen in dem Jahr 2000 bemerkbar gemacht:
- der demokratische Kandidat Al Gore verlor mehrere Bundesstaaten (vor allem an der Westküste, wo traditionell demokratische Hochburgen liegen), weil der Kandidat der Grünen, Ralph Nader eine starke Minderheit an sich binden konnte. Dadurch erhielt George W. Bush mit einer konservativen Minderheit (weniger Stimmen als die Summe von Demokraten und Grünen) alle Wahlmänner des jeweiligen Bundesstaats zugeschlagen.
- insgesamt erhielt Gore trotz Naders Konkurrenz in absoluten Zahlen ("popular vote") etwa eine halbe Million mehr Stimmen als Bush. Wahlentscheidend waren jedoch ca. rund 1500 strittige Stimmen in Florida.
Siehe auch:
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